Erinnerungen Auf dieser Seite darf ein Jeder der sich dazu berufen fühlt, einen Letzten Gruß veröffentlichen, schickt mir ne Mail und ich veröffentliche es hier.  Martin Müller

Du bist nicht erschienen,

Du hast noch nie einen Termin nicht eingehalten. Ich habe Dich vermisst, Du hast kein Lebenszeichen gegeben. Weder auf Anrufe noch auf klingeln an Deiner Tür habe ich eine Antwort erhalten. Du hast immer alle Termine eingehalten oder abgesagt, Du warst immer echt und verlässlich.

Ich konnte nicht anders handeln, ich musste die Polizei benachrichtigen. Nur sie konnte mir in dieser Situation weiterhelfen. Gott sei Dank hat mich da keiner nach Kindern von Dir gefragt. Die haben meinen Anruf ernst genommen und nachgeschaut.

Die Nachricht haben sie mir persönlich überbracht, die haben sich echt Mühe gemacht.
Leider müssen wir Ihnen mitteilen..................

Der Kontakt zur Polizei riss mit der Erwähnung Deiner Töchter augenblicklich ab, Sie waren nun Herren des Verfahrens. Liebe ist schön, hilft aber nicht weiter denn meistens ist sie nie da zu finden wo man sie gut gebrauchen könnte.

Irgendwie machte sich bei mir das Gefühl breit da herrscht betretene Betroffenheit, Du störst schon wieder die himmlische Schönheit des Planeten.

Eberhard warum hast Du das getan, wie konntest Du einfach so sterben?

Anonym verscharren war das erste Angebot Deiner Töchter, sie sind arm und waren darauf nicht eingestellt. Vor Deinem Tod hast Du ja nicht wesentlich gestört. Ausgenommen der Besuch von Dir am Haus das Du gebaut hast, für Deine Familie? Um mit Deiner ehemaligen Frau nochmal Korrektur zu lesen, was euch verband und trennte, damals.

Da warst Du dann nach Meinung der Eingeborenen nicht mehr von dieser Welt?

Du hast nie in einen Schablone gepasst Eberhard, Dein Buch ist erst jetzt zu ende geschrieben.
Wir haben uns ins Zeug gelegt und Dir eine würdige Einraumwohnung im Wald beschafft, da bist Du nun für die nächsten 99 Jahre sicher verwahrt.

Deine Töchter müssen sich nun nicht mehr schämen ob Deines Verhaltens, Deine Zeugnisse und Urkunden haben sie als Trophäen mit nach Hause genommen. Also den Teil von Dir den man Jedem unbekümmert vorzeigen kann.

Tolle Leistungen die nichts über Dich, aussagen aber durchaus vorzeigbar sind. Damit kann man sich schmücken, nicht von dieser Welt ist nicht Salonfähig.

Dein Vermieter hat natürlich auch Eindruck auf die Trauernde Restfamilie gemacht, Eberhard ich muss Dir da nichts erklären.
Der Raub war perfekt, ich habe nicht gedacht das Dein Andenken so schnell und billig verramscht wird.
Ich wusste natürlich vorher nicht so genau darüber Bescheid und hatte selbst mit diesem Bergvolk wenig eigenen Kontakt.

In meinem Herzen lebst Du weiter, als Mensch, der sich die Mühe gemacht hat den Standpunkt des Gegenüber auch stehen zu lassen. Auch wenn der nicht immer nachvollziehbar gewesen ist, des Menschen Wille ist sein Himmelreich.

Sicher könnte man meinen Du hättest jetzt verloren, ist aber nicht so. Du hast gewonnen, eine Immanation weiter zu kommen ist ein riesiger Schritt um den man Dich beneiden kann.

Sterben muss jeder, ich hoffe für Dich Eberhard, es war schmerzlos. Schmerzen hat Dir diese Welt Dein ganzes Leben lang bereitet.
Du hast leider zu genau hingesehen, hast den Wahnsinn beobachtet der die Menschen hier entzweit. Hast keine Lösung gefunden, leider auch kein Heim in dem man verstanden wird.

Es ist schon seltsam das man Wünsche in sich trägt die nicht erfüllbar sind.

Familie? Die Sehnsucht in uns allen verstanden zu werden, wenigstens innerfamiliär. Das eigene Fleisch und Blut sollte doch in der Lage sein zu verstehen.

Pustekuchen Eberhard, Du hast die Macht der Gebärenden unterschätzt.

Nachdem Dein Sohn Michael für sich einen Notausgang gewählt hatte, blieb Dir nur die Schuld. Schuld die Dir vom Bergvolk suggeriert wurde, nur Du warst Schuld.

Ich glaube das bis heute noch nicht. Echte Auswege gab es nicht, da gibt es sowieso keinen Ausweg aber einfach einen Ersatz zu zeugen warst Du auch nicht bereit.

Du hast echt Gas gegeben, Abendschule, Abitur gemacht, Studium in Sollstudienzeit zum Diplom Psychologen.
Eine neue Frau kam in Dein Leben, Claudia.

Du hast das Leben sehr genau betrachtet, hast schon früh gemerkt das die Lüge vorherrscht und begünstigt wird. Sie ist einfach, der Leichte Weg.
Der Tod unserer Mutter 1979 brachte uns neu näher, Du hast Gottfried komplett gekündigt. Du bist nicht mehr mein Bruder? Wir waren plötzlich Verbündete ohne uns vorher abgesprochen zu haben.

Bis dahin warst Du für mich der Streber in der Familie, jetzt redeten wir über freie Liebe. Ich entdeckte Dich neu, und war doch meistens mit mir beschäftigt. Wir haben versucht unser Gefühl der behüteten Verlassenheit zu verlassen. Es hat bedingt geklappt, und ich möchte die Zeit nicht mehr missen. Wir haben uns neu kennengelernt um nicht die alten Vorurteile unserer Familie weiter zu leben.

Eberhard, ich rufe Dir nur eines zu. Geronimo

Martin







Lauter Sterne Andrea Februar 2009

Erinnerungen sind Gefühle und Gedanken der Vergangenheit. Während wir uns wähnen nach vorne zu sehen, übersehen wir häufig das Zurückliegende. Oder aber, wir sehen zwar nach vorne, sind aber noch lange nicht mit dem erlebt-gelebten zu einer inneren Klärung gelangt. (Andrea Mazur 03.08.08)

Nun jährt es sich zum ersten mal, dass Du gegangen bist.

Im Februar 08 man kann es nicht so genau sagen ob es der 15. Februar, oder der 16. Februar war, bist Du, von keinem bemerkt, nur Du selber hast es erlebt, lautlos gegangen.

Alle Beteiligten, die von Deinem Gehen erfuhren, waren, jeder auf seine ganz eigene Art sehr irritiert, betroffen, traurig.

Es fällt mir immer noch schwer, zu respektieren und akzeptieren,

dass Du nur noch Gestalt in meinen Erinnerungen und Gedanken hast.

Wie häufig höre ich Musik,
sehe etwas, lese etwas, was mich sehr häufig an Dich denken lässt.

Da gehen Fenster in meiner Erinnerung an Dich auf, die Freude, Ungehaltenheit, nicht verstehen, absolute Zustimmung,
Wärme, Schmerz und Zuneigung beinhalten. Der Tod, er ist wirklich ein sehr eigenwilliger, interessanter Begleiter des Leben’s?

Bin kein Freund des Glaubens.

Glauben beinhaltet für mich immer noch, nicht wissen.

Doch eines weiss ich und ich staune, dass sooooo viele Menschen immer noch glauben,

dass sie einen anderen Weg gehen könnten als irgendwann einfach zu gehen.

Zwei Dinge macht das Lebewesen Mensch ganz alleine.

Egal wie viele Menschen sich darum schon einen Kopf gemacht haben, unabhängig von all den Errungenschaften die das Lebewesen Mensch erbracht hat.

Unser Kommen und unser Gehen ist, in dem Moment wo es sich ereignet, der Einsamkeit anheim gegeben.

Andrea Mazur








Zweiter Besuch, Du liegst nicht mehr alleine ;-) Martin Februar 2009

Hallo Eberhard,

entschuldige bitte die Allgemeine Anrede.

Die Betroffenen haben sich geeinigt und bezahlt, jetzt liegst Du da im Wald, friedlich.
Alle Beteiligten haben den Termin abgearbeitet, es hat funktioniert.

Wie immer in solchen Fällen kommst Du jetzt nur noch in der Erinnerung vor, Gottfried leidet erheblich unter der Vorstellung sich nun nicht mehr vor Dir rechtfertigen zu müssen.

Die Unsterblichkeit als Fehlentscheidung zu begreiffen, fehlt wohl in unserem begrenzten Universum.

Jetzt sei erstmal gegrüßt von Allen die Dich überlebt haben, unabhängig mit welchen Gefühlen die jetzt durch Ihr Leben gehen. Will sagen, Du bist Teil der Erinnerung geworden,

sicher erinnert sich ein Jeder verschieden.

Ich erinnere mich immer noch sehr gut an Dich, auch wenn wir uns erst spät begegnet sind.

Martin